Drei Landschaften, die Hokkaidos Natur einbeziehen

Mit freundlicher Genehmigung des Moerenuma-Parks
Hokkaido hat eine Vielzahl schöner Landschaftskunstwerke, welche die atemberaubenden Naturräume von Japans nördlichster Insel betonen. Dieser Artikel verbindet drei faszinierende Orte: Moerenuma-Park, Arte Piazza Bibai und Hügel des Buddha.

Skulpturen, die aus der Luft betrachtet ein Kunstwerk bilden

Luftaufnahme des Moerenuma-Parks © City of Sapporo

Der Flughafen New Chitose ist das Tor nach Hokkaido, und der Moerenuma-Park bietet den Besuchern ein einzigartiges Willkommen. Rund 41 km nordnordwestlich von New Chitose gelegen, im Nordosten von Sapporo, weist das 188,8 Hektar große Gebiet zwei gigantische künstliche Berge, einen Teich einschließlich Fontäne mit organischem Aussehen, eine Indoor-Einrichtung mit dem Namen Glaspyramide und eine Vielzahl von farbenfrohen Spielgeräten auf. Durch den Park zu streifen und die strahlend grünen Bergrücken und den Himmel und das Licht rundherum zu bewundern, ist ein Erlebnis wie kein anderes. Das Einzigartige des Parks sind seine Strukturen aus einfachen geometrischen Formen. Jede ist auf ihre eigene Weise schön und besonders, aber die Strukturen sind auch so angelegt, dass alle zusammen wie eine große Skulptur wirken.
Der Moerenuma-Park ist als ein aus der Luft zu betrachtendes Kunstwerk gestaltet, wie eine moderne Version der Geoglyphen von Nasca. Obwohl es nicht einfach ist, sie mit eigenen Augen von oben zu betrachten, nehmen Sie die Skulpturen mit auf einen „Fantasieflug“ – während Sie zwischen den gigantischen Skulpturen spazieren, können Sie sich vorstellen, sie aus der Luft zu sehen.

© Mit freundlicher Genehmigung des Moerenuma-Parks

© Mit freundlicher Genehmigung des Moerenuma-Parks

Kunst, die Menschen hilft

© Mit freundlicher Genehmigung des Moerenuma-Parks

Das grundlegende Design des Moerenuma-Parks ist das Werk des Bildhauers Isamu Noguchi (1904–88). Als Kind einer irisch-amerikanischen Mutter und eines japanischen Vaters hat Noguchi seine Kindheit in Japan verbracht, bevor er nach New York zog, um seine globale Kunstkarriere zu starten. Noguchi hat sich auf Steinskulpturen spezialisiert, mit einer Bandbreite an Arbeiten, die Bühnenkunst, Möbel und Lichtdesign einschließen. Seine größte Leidenschaft war jedoch seine Landschaftsgestaltung von Gärten und Parks, basierend auf der Idee der „Verbindung zwischen Skulpturen und dem Terrain“. Im Mittelpunkt seiner Idee stand Noguchis fester Glaube daran, dass Kunst Menschen helfen kann.
Im Jahr 1988, dem letzten Jahr seines Lebens, besuchte Noguchi Sapporo und erstellte eine Reihe von Plänen für den Moerenuma-Park als Teil einer Initiative der Stadtverwaltung von Sapporo, einen Park zu schaffen, um ein Gebiet zu regenerieren, das zuvor als eine Abfallbehandlungsanlage verwendet worden war. Als jemand, der rund um die Welt zu alten Ruinen gereist war und es liebte, selbst herauszufinden, was diese Skulpturen den Menschen in der Vergangenheit bedeutet hatten und was die Zukunft ihnen bringen würde, entwarf Noguchi die größten, herausragendsten Werke für das Projekt. Leider verstarb Noguchi am 30. Dezember 1988, als er das grundlegende Design für den Park vollendete, und er hat seine Fertigstellung nicht mehr erlebt. Seine Kreationen wurden über einen Zeitraum von 17 Jahren zum Leben erweckt und schließlich im Jahr 2005 fertiggestellt. Der Moerenuma-Park ist jetzt ein Erholungsort für Einheimische und Touristen gleichermaßen und erfüllt damit Noguchis Absicht, Kunst zu schaffen, die Menschen hilft.

Verstehen durch Berühren

© Mit freundlicher Genehmigung des Odori-Parks in Sapporo

Noguchis Wunsch, Skulpturen zu schaffen, die Menschen helfen, führte auch zur Erschaffung von Black Slide Mantra im Odori-Park im Zentrum von Sapporo. Die Skulptur aus schwarzem Granit ist 3,6 m hoch und wiegt 80 Tonnen. Sie hat eine Rutsche mit eleganten Kurven, die Kindern und Erwachsenen gleichermaßen Spaß macht. Diese Skulptur entstand aus Noguchis Wunsch, Kindern ein visuelles und haptisches Erlebnis zu bieten.
Black Slide Mantra ist eng verknüpft mit Kan Yasuda (1945–), der ebenfalls an der Gestaltung des Moerenuma-Parks beteiligt war. Das Werk wurde durch Slide Mantra inspiriert, einer Arbeit, die Noguchi sah, als er 1986 die USA bei der Biennale di Venezia vertrat, einem zeitgenössischen Kunstfestival. Geschaffen von Yasuda und seinem Steinbildhauer-Kollegen Giorgio Angeli, war Slide Mantra eine weiße Marmor-Rutschenskulptur mit einer würdevollen aber entspannten Form. Yasudas Studio befindet sich in Pietrasanta, einer Gegend, die berühmt für ihren Marmor ist, der sogar von Michelangelo verwendet worden sein soll. Noguchi hat sich den zahlreichen Steinbildhauern angeschlossen, die dort angesiedelt sind und viele Werke aus Pietrasanta-Marmor schaffen. Noguchi und Yasuda haben in Noguchis letztem Lebensjahr sogar im selben Studio gearbeitet.

© Mit freundlicher Genehmigung des Arte Piazza Bibai

In Bibai, wo Yasuda geboren wurde und aufgewachsen ist, ist der Standort von Arte Piazza Bibai. Etwa 40 Marmorskulpturen markieren einen Pfad durch die sanften Hügel zwischen den Bergen, und der Anblick der liebevoll polierten Skulpturen, die zwischen dem grünen Blattwerk in der Sonne glitzern, ist ein Augenschmaus. Das weiche Gras liefert eine andere Kulisse als die Städtelandschaften am Bahnhof Sapporo und im Trubel von Tokio, wo weitere Werke von Yasuda stehen. Die Skulpturen ermuntern Sie, Ihre Hand auszustrecken und sie zu berühren, um ihre Präsenz selbst zu spüren, und mit der Natur zu spielen. Yasudas Werke sind kein Spielplatz wie Noguchis. Sie fügen sich einfach nahtlos in das tägliche Leben der Menschen ein und haben eine wohltuende Ausstrahlung, die die Herzen der lokalen Bevölkerung erobert hat. Die natürliche Harmonie zwischen Yasudas Werken und der umgebenden Landschaft ist das Markenzeichen bedeutender öffentlicher Skulpturen.

Eine Buddha-Statue auf einem blumenbedeckten Hügel

© Hügel des Buddha

Yasudas Werke sind nicht die einzige bahnbrechende Landschaft Hokkaidos, mit der Noguchi eng verbunden war. Eine weitere ist der Hügel des Buddha, eine steinerne Buddha-Statue im Süden von Sapporo. Der Hügel des Buddha wurde auf dem Takino-Friedhof errichtet, dessen Fläche in etwa genauso groß ist (180 Hektar) wie die des Moerenuma-Parks. Der Raum rund um die 13,5 m hohe und 1500 Tonnen schwere Statue wurde vom Architekten Tadao Ando (1941–) entworfen.

Der Takino-Friedhof war zuvor fast als ein Themenpark an Steinstatuen bekannt, mit Arbeiten, die von Moai (Steinstatuen der Osterinsel) bis zu einem Miniatur-Stonehenge reichten. Andos Entwurf für den Bereich rund um den Hügel des Buddha verwandelte den Friedhof sogar noch mehr, als es die Originalstatue bei ihrer Errichtung im Jahr 2000 getan hatte.

Der Kopf der Buddha-Statue erhebt sich nobel über 15.000 Lavendelblüten, welche die Hügellandschaft bedecken. Am Ende des 135 m langen Pfades in die Hügel liegt der Wassergarten, der dem „Fluss der drei Übergänge“ zwischen dem Diesseits und dem Jenseits ähnelt. Gehen Sie am Wassergarten vorbei und durch einen niedrigen Tunnel und Sie erreichen den Fuß der Buddha-Statue, wo Sie in die Augen Buddhas hinaufblicken können. Der blaue Himmel rund um Buddhas Kopf sieht aus wie ein Heiligenschein und gibt der Statue eine noch erhabenere Erscheinung. Im Untergrund gibt es einen versteckten Lichtraum, wo Besucher meditieren und eine Verbindung zu Buddha aufbauen können.

Die drei Landschaften

© Mit freundlicher Genehmigung des Moerenuma-Parks

Isamu Noguchi verwandelte ein ehemaliges Abfallbehandlungsgelände in einen Ort, wo sich die Menschen entspannen können. Kan Yasuda schuf eine Freiluft-Kunstgalerie rund um eine stillgelegte Schule in den Bergen. Tadao Ando gestaltete den Bereich rund um eine Buddha-Statue neu, um einen künstlerischen Pilgerort zu schaffen. Moerenuma-Park, Arte Piazza Bibai und Hügel des Buddha schaffen alle einen künstlerischen Wert in einer ungebundenen Art, die durch die Lage unter freiem Himmel und die riesigen Naturlandschaften von Hokkaido ermöglicht wird. An einem kalten Ort wie Hokkaido sind der belebende Sommer und der schneereiche Winter zwei verschiedene und gleichermaßen schöne Welten. Alle drei Orte, die in diesem Artikel genannt werden, sind das ganze Jahr hindurch geöffnet und bringen mit jeder Jahreszeit eine neue Schönheit. Insbesondere Schnee fügt eine Dimension hinzu, die Hokkaidos Landschaftskunst einzigartig macht. Mit so vielen verschiedenen Gesichtern je nach Jahreszeit werden Sie diese Meisterwerke der Natur und Kunst wieder und wieder besuchen wollen. Egal zu welcher Jahreszeit, diese unglaublichen Kunsterlebnisse werden Ihnen eine völlig neue Seite von Japan zeigen.

Berichterstatter

Kazumi MIYAI

Kuratorin des Moerenuma-Parks

Geboren 1978 in Hokkaido, lebt in Sapporo.
Studienabschluss 2001 am Institut für Kunstwissenschaft der Kunsthochschule Kanazawa, Hauptfächer Ästhetik und Kunstgeschichte. Hat seit 2003 aktiv künstlerische Aktivitäten mit Parks und Freiflächen verfolgt.

Anfahrt & Karten

1
Moerenuma-Park
2
Arte Piazza Bibai
3
Hügel des Buddha von Tadao Ando
4
Odori-Park