Vogelbeobachtung in Hokkaido

Dr. Mark Brazil
Whooper Swansオオハクチョウ
Mark Brazil
Hokkaido ist bereits bekannt als einer der besten Orte der Welt, um im Winter Vögel zu beobachten und Wildtiere zu fotografieren. Und es beansprucht zunehmend seinen Platz als ein namhaftes Ganzjahresziel. Hokkaido ist die Heimat für etliche auffällige symbolträchtige Arten: die nicht ziehenden Arten Mandschurenkranich und Riesen-Fischuhu, die Winterbesucher Singschwan und Riesenseeadler, sowie die Sommerbrüter Brillenteiste und Rubinkehlchen. Auf dem Ostasiatischen Flugweg gelegen, einer Zugvogelroute, die Nordostasien mit Südostasien und Australasien verbindet, bietet Hokkaido Standvögel, Sommerbesucher, Winterbesucher und Langstreckenzieher.

Japan ist bereits weit bekannt dafür, dass es eines der besten Ziele der Welt abgibt, um im Winter Vögel zu beobachten und Wildtiere zu fotografieren. Und Hokkaido spielt bei diesem Ruf berechtigterweise eine sehr große Rolle.

Einfach ausgedrückt: Hokkaido ist wunderbar. Seine Hauptattraktionen sind seine effektvolle Lage, überwältigende Landschaften, farbenfrohe Jahreszeiten, fantastische Wildtiere und warme Gastfreundschaft.

Geografisch befindet sich Hokkaido zwar sehr nah am äußersten Osten Russlands, aber im Gegensatz zu diesem Gebiet ist Hokkaido das ganze Jahr hindurch leicht zugänglich, ist sicher und verfügt über eine exzellente Infrastruktur. Aus der Sicht von Europa, Nordamerika, Australien und Neuseeland hat Hokkaido einen exotischen und natürlichen Reiz, ist aber einfach zu erreichen.

Im Gegensatz zu den historischen und kulturellen Aspekten der japanischen Hauptinsel im Süden bietet Japans nördliche Insel Hokkaido die wildere Seite Japans mit mehr Attraktionen im Freien. Es ist das ganze Jahr hindurch ideal für Naturreisen und insbesondere für Vogelbeobachter und Vogelfotografen.

Die landschaftliche Vielfalt von Hokkaido konkurriert mit der von Österreich und der Schweiz, und schneidet sehr vorteilhaft ab bei einem Vergleich mit Neuseeland. Hokkaido verfügt über dramatische Landschaften, einschließlich Gebirgen, vulkanischen Gipfeln, schönen Küstenlinien und attraktiven vorgelagerten Inseln. Darüber hinaus übertrifft Hokkaidos Vielfalt an Wildtieren diejenige von Österreich, der Schweiz und Neuseeland.

Hokkaido findet auch Anklang, weil es nicht nur die Heimat für eine tolle biologische Vielfalt ist, sondern auch für große symbolträchtige Tiere und Vögel, die man ziemlich leicht sehen kann: Braunbär, Zwergwal, Weißflankenschweinswal, Mandschurenkranich, Singschwan, Riesenseeadler und Seeadler.

Der Vogel, der mich damals im Februar 1980 zuerst nach Hokkaido zog, war der Singschwan, ein Zugvogel (zu jener Zeit erforschte ich die Art in Schottland und Island für meine Doktorarbeit). Aber schon bald war ich fasziniert vom eleganten und stattlichen Mandschurenkranich sowie dem enormen und dramatischen Riesenseeadler. Der Riesenseeadler hat mich so inspiriert und begeistert, dass er zum Umschlagmotiv für drei meiner Bücher wurde.

Hokkaidos Nachtvögel sind ebenfalls dramatisch, und keiner ist dramatischer als die größte Eule der Welt und eine der seltensten Arten der Welt – der Riesen-Fischuhu. Bilder seines kleineren und häufiger vorkommenden Verwandten, dem Habichtskauz, findet man hier häufig im Winter als Werbung.

Vom Frühling bis zum Herbst spüren Vogelbeobachter die Zugvögel auf, die nach Hokkaido gekommen sind, wie das Rubinkehlchen, sowie die vielen Seevögel, welche die Küsten von Ost-Hokkaido passieren oder auf der Insel Teuri brüten, wie der Nashornalk. Kurz gesagt: Hokkaido ist das ganze Jahr hindurch ein großartiges Ziel zum Beobachten von Vögeln.

Hokkaido hat über die Insel verteilt zahlreiche exzellente Stellen zur Vogelbeobachtung. Diese erstrecken sich von Onuma in der Nähe von Hakodate im Südwesten bis zur Halbinsel Shiretoko im Nordosten; von Sarobetsu und Wakkanai im äußersten Norden bis den Kushiro-Feuchtgebieten und der Halbinsel Nemuro ganz im Südosten; von Orten in der Nähe des Verwaltungssitzes Sapporo im Westen bis zur alpinen Zone des Daisetsu-Gebirges im Zentrum. Vor der Küste gibt es Inseln wie Teuri, Rishiri und Rebun, die brütende Seevögel, Zugvögel, und sogar Irrgäste anziehen.

Jede Jahreszeit in Hokkaido hat ihre speziellen Attraktionen, was für ein wundervolles Vogeljahr sorgt.

Winter

Für mich beginnt das Vogeljahr mit dem Winter, und hier beginnt der Winter tatsächlich im November, wenn langsam die ersten der vielen tausend Riesenseeadler ankommen, die im Winter auf der Insel Hokkaido zu Hause sind.

Wenn die Temperaturen im späten Herbst und frühen Winter den Gefrierpunkt erreichen, treffen ziehende Schwäne (Zwergschwan und Singschwan) in engelsgleichen Schwärmen ein und trompeten während des Flugs ihre mitreißenden Rufe heraus. Während die Zwergschwäne Hokkaido auf dem Weg nach Honshu nur passieren, verweilen viele der Singschwäne und zieren während der Wintermonate die eisfreien Bereiche der größeren Seen und Sümpfe. Gleichzeitig kommen die ersten Riesenseeadler über die La-Pérouse-Straße zwischen Sachalin und Nord-Hokkaido. Sie bewegen sich kontinuierlich nach Süden und Osten, bis sie sich mitten im Winter zu Hunderten entlang der dramatischen Halbinsel Shiretoko oder rund um den Furen-See in der Nähe von Nemuro sammeln. Ein auffallend gemusterter Adler im Flug, mit makellos weißen Schultern, weißem Schwanz und weißen Oberschenkeln vor einem klaren blauen Himmel und mit einem überraschend massiven und glänzenden Schnabel, ist einer der unwiderstehlichsten Anblicke, die man im Winter in Hokkaido haben kann.

Zu dieser Jahreszeit sind die Riesenseeadler ihren kleineren, aber trotzdem dramatischen Verwandten, den Seeadlern, zahlenmäßig erheblich überlegen. Entlang der Ufer, rund um die Küsten und vor der Küste sind es die vielen überwinternden Möwen (Eismöwen, Beringmöwen, Kamtschatkamöwen und Japanmöwen), überwinternden Meerenten (Kamtschatkasamtenten, Trauerenten, Eisenten, Kragenenten), Seetaucher, Lappentaucher und Seevögel (Alkenvögel wie Silberalken, Zwergalken und Schopfalken), die das Beobachten des Meeres im Winter so spannend machen.

Mitten im Winter findet man die nicht ziehenden Habichtskäuze in ihren regulären Winterquartieren. Die viel selteneren Riesen-Fischuhus machen sich hingegen schon für einen sehr zeitigen Beginn ihrer Fortpflanzungszeit bereit, indem sie die Nacht hindurch im Duett singen.

Der Winter in Hokkaido erscheint hart und manchmal endlos, mit Stürmen, starken Schneefällen und Wochen, wenn nicht gar Monaten, eiskalten Wetters. Aber verglichen mit weiter entfernten Regionen sind Hokkaidos Winter relativ mild. Das macht Hokkaido zum auserwählten Ziel für bestimmte Vögel aus dem Norden. Scharen von Erlenzeisigen, Taigabirkenzeisigen, Seidenschwänzen und Blutseidenschwänzen wandern zur Insel und, obwohl nicht vorhersagbar, stößt man fast zu jeder Zeit und an jedem Ort auf sie.

Die Winter in Hokkaido enden nicht früher als Ende März oder Anfang April, wenn die Winterbesucher wie die Finken und Seidenschwänze, die nördlichen Möwen und nördlichen Seevögel, und schließlich die letzten der großen Adler zurück Richtung Norden nach Russland fliegen.

Frühling

Der Winter verweilt und geht langsam in den Frühling über, was es schwierig macht, das Ende des einen und den Beginn des anderen zu definieren. Aber die Gänse kennen den Unterschied. Ende März und im April starten die Gänse und zehntausende von ihnen passieren Hokkaido auf dem Weg zwischen ihren Winterquartieren in Zentral- und Nord-Honshu und ihren Brutplätzen in Russland. An kühlen Frühlingsabenden, wenn noch immer viel Schnee auf den Hügeln liegt, füllt sich der Himmel mit Gänsen, die zum Schlafen nach Miyajima-numa (in der Nähe von Bibai) fliegen. Die Mehrheit, die dort schläft, sind Bläßgänse. In der Abenddämmerung kommen sie in zeternden, viele tausend Vögel starken Scharen und lassen sich in Wellen auf dem See nieder, so dass er schwarz vor Vögeln wird. In der Morgendämmerung machen sie sich wieder auf den Weg zu ihren Futterplätzen und fliegen in einer hektischen Menge schreiender Vögel davon. Dies ist eines der größten Wildtierspektakel, nicht nur in Hokkaido, sondern in ganz Japan.

Manchmal gibt es in dem großen Gänseschwarm in Miyajima-numa und auch an anderen Orten in Nord- und Ost-Hokkaido eine geringe Anzahl an Saatgänsen, Tundrasaatgänsen, Zwerggänsen, Zwergkanadagänsen und sogar Schneegänsen.

Die weiten Ebenen und Sumpfgebiete, die von den ziehenden Gänsen bevorzugt werden, sind auch der Lebensraum für diverse Greifvögel. Während der Gänsebeobachtung ist es nicht ungewöhnlich, Raubvögeln zu begegnen. Viele von ihnen ziehen weiter nach Norden, wie der lebhafte kleine Merlin, aber viele bleiben auch zum Brüten in Hokkaido. Zu ihnen gehören: Taigabussard, Mangroveweihe, Habicht und Wanderfalke.

Dies ist die Jahreszeit, um vor der Küste, in Häfen und Buchten nach Lappentauchern, Seetauchern, Meerenten und Seevögeln Ausschau zu halten, die in großer Zahl nach Norden ziehen. Bald werden ihnen Zugvogelschwärme des maritimsten aller Küstenvögel folgen, des Odinshühnchens. Sobald die Winterbesucher in Richtung Norden gezogen sind und andere Zugvögel Hokkaido durchflogen haben, ist es Zeit für die Ankunft der Sommerbrüter aus dem fernen Süden.

Sommer

Der Frühling macht langsam Platz für den Sommer, wenn die Sümpfe und Wälder von Hokkaido beginnen, einen Hauch von Grün zu zeigen, und die ersten Frühlingsblumen erscheinen: die cremeweiße Magnolie und der schneeweiße Stinkkohl. Die ersten Zugvögel, die hier brüten, kommen in den grünenden Wäldern an. Der herrliche Gesang der farbenfrohen Sommervögel wie Blaunachtigall, Blauschwanz, Narzissenschnäpper, Blauschnäpper und Kronenlaubsänger wetteifert schnell mit dem der nicht ziehenden Japanmeisen, Buntmeisen, Tannenmeisen und Sumpfmeisen und dem Hämmern der nicht ziehenden Spechte (Weißrückenspecht, Buntspecht, Grauspecht, Kizukispecht, Schwarzspecht).

Der beste Sänger des Frühlings, der Japanbuschsänger, nimmt einen Platz im japanischen Bewusstsein ein, ähnlich dem der Nachtigall in Europa. Dieser Vogel der Haiku und japanischen Literatur hat einen Gesang, der wortwörtlich aus dem Zwergbambus-Unterholz der Wälder Hokkaidos heraus explodiert. Sein Gesang ist ein echtes Kennzeichen für die Ankunft des Sommers.

Wenn die Tage länger und wärmer werden, ist es Zeit, sich auf der Suche nach Vögeln hinauf in die Berge zu begeben oder zu den Sümpfen an der Küste. In den Bergwäldern singen bereits die Rostkehlnachtigall, der Portenkolaubsänger, die Bambusammer, die Japandrossel und die Schieferdrossel. Die Sommerkuckucke (Horsfieldkuckuck, Gemeiner Kuckuck und Rostbauch-Fluchtkuckuck) rufen Tag und Nacht und suchen nach nistenden Vögeln, die sie parasitieren können.

In der Nähe der Baumgrenze, in der Zwergkiefernzone, sind die Rötelbraunelle, der Tannenhäher und der Hakengimpel alle Zielvögel. Währenddessen schreien oben am Himmel Pazifiksegler, und Stachelschwanzsegler sausen auf ihren Hochgeschwindigkeits-Luftmissionen auf der Suche nach Beuteinsekten vorbei. Im Spätfrühling und während der Sommermonate erblühen die alpinen Blumen. Jede Woche kommen zahlreiche neue Arten hinzu und machen jeden Wanderausflug in die Berge zu einem Vergnügen, selbst wenn Vögel schwer zu finden sind.

Währenddessen haben die nicht ziehenden Mandschurenkraniche unten in den Küstensümpfen bereits ihre Jungen ausgebrütet, und aus dem Röhricht ertönt nun der Gesang der Brauenrohrsänger. Im Sommer ist Hokkaido auch ein exzellentes Gebiet für Ammern. Zu ihnen gehören Wiesenammern, Bandammern, Maskenammern, Bambusammern und Rohrammern. Die Randbereiche der Sümpfe, die verwilderten Grasflächen und die Vegetation entlang der Wälder, Felder und küstennahen Sümpfe sind nun laut erfüllt vom lebhaften Gesang des Riesenschwirls, den taumelnden Lauten des Strichelschwirls und dem Klick-Klack des Schwarzkehlchen. Die Middendorffschwirle zeigen Flugvorführungen über der Vegetation der Sumpfgebiete, während sie singen. Aber der herrlichste Anblick von allen ist ein Rubinkehlchen, das oben auf einem Strauch sitzend singt, während dabei seine leuchtend rubinrote Kehle mit Gesang und Farbe pulsiert.

Das Rubinkehlchen ist eine meiner Lieblings-Sommerarten. Oberflächlich betrachtet von trister Farbe, glüht seine Kehle buchstäblich rubinrot, wenn es anfängt zu singen. © Mark Brazil

Der vielleicht dramatischste „Sänger“ des Sommers ist die Japanbekassine. Dieser außergewöhnliche Küstenvogel verbringt seine Winter in Südost-Australien und Tasmanien, brütet aber hier in Hokkaido. Lokal bekannt als „Kaminari-shigi“ (oder Donnervogel!) beinhaltet seine dramatische wellenförmige Flugvorführung über den Sümpfen ein hohes Aufsteigen in den Himmel, wobei er heiser „tsu-biyaku, tsu-biyaku, tsu-biyaku“ ruft. Darauf folgt dann ein steiler Sturzflug, währenddessen seine steifen äußeren Schwanzfedern vibrieren, rattern und trommeln und ein merkwürdiges „gwo-gwo-gwo“ zu hören ist, bevor der Vogel wieder nach oben schnellt und dabei wieder ruft.

Seeadler brüten vor Ort und man findet sie im Sommer oft in der Nähe der Küstensümpfe, entlang großer Flüsse und an Seen im Landesinneren. Dort jagen sie Enten, Möwen und Fische und bieten einen dramatischen Anblick, wenn sie oben am Himmel kreisen.

Der hoch schwebende Baumfalke ist ein weiterer, hier übersommernder Greifvogel und einer, den man sowohl hört als auch sieht, wenn er nach Libellen und anderen geflügelten Insekten jagt und dramatische Schwünge und Sturzflüge vollführt, während er sie quer durch die Landschaft verfolgt.

Wenn an Sommerabenden die Abenddämmerung beginnt, kann man Hokkaidos anderen, hier übersommernden Küstenvogel, die Waldschnepfe, sehen, wie sie die Grenzen ihres Territoriums absteckt, über dem Wald kreist und dabei ruft. Hier und dort, an streng geschützten Stellen in Ost-Hokkaido, ziehen Paare von Riesen-Fischuhus nun ihre wertvollen Jungen auf. Wenn die Rufe der Waldschnepfe verklingen, dröhnen die tiefen Duettrufe der Fischuhus über die Auwälder, und die hohen Bettelrufe ihrer Jungen scheinen kein Ende zu nehmen.

Unterhalb der Klippen der Halbinsel Shiretoko und entlang der felsigen Küsten von Südost-Hokkaido und der Inseln vor der Westküste findet man einen Seevogel mit einem stark begrenzten Verbreitungsgebiet – die Brillenteiste. Ihre hohen pfeifenden Rufe übertönen die Geräusche des Meeres. Und in ihrem Brutgefieder zeigt sie leuchtend rote Füße, ein rotes Schnabelinnere und rußig schwarzes Gefieder mit weißen Augenumrandungen. Auf der Insel Teuri vor der Westküste gesellen sich zur Brillenteiste eine kleine Anzahl an Trottellummen und viele tausend Exemplare von Hokkaidos häufigstem Seevogel – dem Nashornalk. Diese Alken suchen tagsüber weit draußen auf dem Meer nach Futter, kehren aber zur Abenddämmerung in enormer Zahl auf die Insel zurück, um sich in ihre Bruthöhlen zu begeben. Die abendliche Rückkehr dieser Vögel zu beobachten, ist ein weiteres der großen Vogelspektakel von Hokkaido, das man nicht verpassen sollte.

Spectacled Guillemot in Hokkaido

Das Verbreitungsgebiet der Brillenteiste ist auf das Ochotskische Meer begrenzt. Man sieht sie am einfachsten an den Küsten von Hokkaido. © Mark Brazil

Herbst

Die Herbstfarben kommen zeitig in den höheren Bergen von Hokkaido, wobei sich die Blätter der alpinen Blumen Ende August und Anfang September rot färben. Bald darauf folgen die Vogelbeerbäume mit ihren feurigen Blättern. Wenn die Tage kürzer und kühler werden, fliegen die Hochlandvögel hinunter nach Süden und die Sommervögel ziehen nach und nach fort. Es schien, sie haben Leben in die Wälder gebracht, wenigstens für ein paar Monate. Unter den letzten Sommerzugvögeln, die Hokkaido verlassen, sind die etwas widerstandsfähigeren Orientturteltauben und Sieboldgrüntauben, welche sich an den Früchte tragenden Sträuchern und Weinstöcken im Wald schadlos halten. Mit dem ersten Frost des Herbstes und den darauf folgenden Schneefällen werden die höheren Berge und ihre Wälder weiß und still, abgesehen vom Geschnatter der Schwärme von Naumann-Drosseln, wenn sie sich durch die Insel bewegen und die Beeren von den Bäumen fressen, bevor sie weiter nach Süden ziehen.

Dies ist die Jahreszeit, um sich auf die Flachlandgebiete, Wälder und Küstensümpfe zu konzentrieren. Nur wenige Entenarten brüten in Hokkaido. Die Mandarinente und die China-Fleckschnabelente sind dabei die nennenswerten Ausnahmen. Wenn der Sommer jedoch in den Herbst übergeht, kommen große Wasservogelschwärme von ihren Brutplätzen in Russland. Hokkaidos Feuchtgebiete werden für sie zu wichtigen Sammelpunkten, wenn sie nach Süden ziehen. Riesige Schwärme von Pfeifenten, Spießenten und Krickenten tauchen an Flussmündungen und Küstenlagunen auf. Zu ihnen gesellt sich eine kleinere Anzahl an Sichelenten, Schnatterenten, Stockenten und Löffelenten. Mit ihnen kommen manchmal kleine Schwärme von Zug-Küstenvögeln, einschließlich Grauschwanz-Wasserläufer und Rotkehl-Strandläufer.

Bald kehren die Gänse zurück. Ihr Ziel ist ihr Winterquartier in Japan. Ihre Schwärme sind nun angewachsen durch die Familien, die sie in Russland aufgezogen haben. Pazifische Ringelgänse bevorzugen Sümpfe an der Küste und die Seegraswiesen der Buchten in Ost- und Südost-Hokkaido. Bald gesellen sich zu ihnen lebhafte und attraktive Schwärme von Gänsesägern, Mittelsägern, Schellenten, Bergenten, Kamtschatkasamtenten, Trauerenten, Eisenten und den reizvollen Kragenenten.

Herbststürme bringen immer mehr Seevögel in Sichtweite von Land, einschließlich Eissturmvögel, Alken und gelegentlich sogar Sturmtaucher und Albatrosse. Sümpfe an der Küste ziehen auch Zug-Greifvögel wie Kornweihen und Sumpfohreulen an, die man am späten Nachmittag findet, wenn sie die Feuchtgebiete nach Nagetieren und kleinen Vögeln absuchen. Möglicherweise, wenn auch seltener, sieht man den Raufußbussard, den man leicht an seinem breiten weißen Schwanz mit dunkler Spitze und seiner Angewohnheit, bei der Jagd in der Luft zu schweben, erkennt.

Während die meisten Sommervögel vor dem herannahenden Winter geflohen sind und das Fallen der Blätter die Standvögel sichtbarer macht, beginnt ein Vogel, das Haselhuhn, noch einmal für einen kurzen Zeitraum zu „singen“. Sein hoher pfeifender Ruf verrät die Anwesenheit dieses nördlichen Waldhuhns.

Zu dieser Jahreszeit beginnt der Ainu-Gott der Sümpfe „Sarurun Kamuy“, auch bekannt als der Mandschurenkranich, von den Sümpfen wegzuwandern, in denen er gebrütet hat. Paare mit ihren ein oder zwei Jungen fliegen zu abgeernteten Maisfelder, auf der Suche nach übrig gebliebenen Maiskörnern. Dort sammeln sie sich mit anderen Familien und formieren sich zu kleinen Schwärmen. Während sie jeden Tag zwischen ihren Futtersuchgründen und ihren Schlafplätzen am Fluss hin und her fliegen, gesellen sich weitere Vögel zu ihnen. Daher ist es im Spätherbst nicht ungewöhnlich, Schwärme mit mehr als einhundert Kranichen zu sichten. Bald beginnen die Kraniche, sich an ihren Winterfutterplätzen und Winterschlafplätzen in den Gebieten Kushiro und Tsurui in Ost-Hokkaido zu sammeln. Dort werden sie zur Hauptattraktion für angereiste Wildtierfotografen, nicht nur aus Japan, sondern aus der ganzen Welt.

Red-crowned Cranes

Während des Winters sammeln sich Mandschurenkraniche in Schwärmen, um zu stolzieren, Duette zu singen und zu tanzen. Jahr für Jahr scharen sich Fotografen, um immer mehr Fotos aufzunehmen, in der Hoffnung, endlich die perfekte Aufnahme zu erhalten. © Mark Brazil

Ganzjährig

Vieles verändert sich in Hokkaido von Jahreszeit zu Jahreszeit, aber einige Dinge bleiben konstant. Trotz der Härte des Winters in Hokkaido kann man hier etliche Arten das ganze Jahr hindurch finden, auch während der kältesten Zeit mitten im Winter. Ihre Anzahl kann dann jedoch durch Verwandte zugenommen haben, die vor noch härteren Bedingungen geflohen und von weiter nördlich aus Russland gekommen sind.

Unter den Standvögeln ist der Schwarzmilan allgegenwärtig. Diesen häufig vorkommenden, aasfressenden Raubvogel kann man um alle Küsten und über allen Flachland-Lebensräumen finden, da er gleitet und segelt und dabei tote Beute zum Aasfressen sucht. Der Taigabussard ist ein aktiverer Jäger von Wühlmäusen und Mäusen. Er ist ebenfalls weit verbreitet, aber bei weitem nicht so häufig wie der Milan. Man trifft ihn am häufigsten oben auf Bäumen und Masten am Straßenrand sitzend, die er bei der Jagd als Ausguck verwendet.

An den schneller fließenden Flüssen von Hokkaido kann man den größten der Eisvögel finden, den Trauerfischer. Dieser auffallend gescheckte Vogel sucht von seinen Lieblingssitzplätzen entlang des Flussufers aus nach Fischen. Suchen Sie währenddessen entlang des Ufers und auf Steinen im Wasser nach der plumpen Pallaswasseramsel, die Wasserinsekten jagt, indem sie in und unter das rauschende Wasser taucht.

In den Wäldern Hokkaidos sind verschiedene Spechte, der Eichelhäher, der Orpheusbülbül, das Wintergoldhähnchen, der Zaunkönig, der Kleiber und der Waldbaumläufer alle nicht ziehend. Am Waldrand, auf Ackerflächen und entlang der Küsten sind zwei Mitglieder der Krähenfamilie allgegenwärtige Aasfresser: die Aaskrähe mit einem schlankeren Schnabel und die Japanische Dschungelkrähe mit einem massiveren Schnabel. Mittlerweile findet man den Feldsperling das ganze Jahr hindurch in Städten und um sie herum.

Zusammenfassend:

Egal zu welcher Zeit im Jahr, Hokkaido bietet Vogelbeobachtern und Vogelfotografen eine Fülle an Motiven, auf die sie ihren Fokus richten können. Und während der Vogelbeobachtung kann man auch nach Säugetieren, Reptilien, Amphibien und unzähligen Schmetterlingen und Libellen Ausschau halten.

Genießen Sie Hokkaido! Die Wildtiere hier sind fantastisch!

Berichterstatter

Dr. Mark Brazil

Ornithologe, Naturforscher, Autor, Gründer von „Japan Nature Guides“, Berater der „HOKKAIDO Adventure Travel Association (HATA)“

Dr. Mark Brazil, Ornithologe, Naturforscher, Expeditionsleiter und Autor. Seit 1982 hat sich Mark für Japan und besonders für Hokkaido eingesetzt, durch Beiträge in Zeitungen und Zeitschriften, Fernsehen, Radio, Vorträge und besonders als ein auf Natur und Ornithologie spezialisierter Expeditionsleiter für internationale Unternehmen. Er ist der Gründer von „Japan Natur Guides“. Zu Marks Büchern gehören: A Birdwatcher’s Guide to Japan (1987), The Birds of Japan (1991), The Whooper Swan (2003), Birds of East Asia (2009), The Nature of Japan: From Dancing Cranes to Flying Fish (2013), A Pocket Guide to the Common and Iconic Birds of Japan (2015) und A Pocket Guide to the Common and Iconic Mammals of Japan (2015). Marks neuestes Buch „Field Guide to the Birds of Japan“ erscheint im Mai 2018. Momentan arbeitet er an einem „Wildlife Guide to Japan“. Mark hat auch viele Natur- und Reiseartikel für verschiedene Zeitungen und Zeitschriften verfasst. Seine Kolumne „Wild Watch“ über die Naturgeschichte Japans ist seit 1982 regelmäßig erschienen. Wenn er nicht gerade Japan erforscht, leitet Mark weltweit Expeditionen für Zegrahm Expeditions und Expedition Easy.

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